Das Land Steiermark und die Österreichische Gesundheitskasse, ÖGK, wollen bei der akuten Stellenproblematik GYN/Geb der Realität nicht so wirklich ins Auge schauen und setzen lieber auf staatliche Strukturen in Form von Primärversorgungsstrukturen. Dass bei den kassenärztlichen Stellen andere Phänomene, welche tief in die biopsychoszialen wie auch soziokulturellen Strukturen der postmodernen Gesellschaft hineinreichen, eine Rolle Spielen wird geflissentlich negiert. Es ist evident, dass immer weniger Frauen zur kassenärztlichen Behandlung kommen und somit die Kassenstellen dadurch frequenzmässig ausgehungert werden. Mitunter auch dadurch bedingt wechseln immer mehr Frauenärztinnen und -ärzte in den Wahlarztbereich, Kassenstellen bleiben vaccant. Es ist ein strukturelles Problem, dem man nicht mit staatlichen Versorgungsstrukturen entgegen wirken kann, es bedarf einer grundlegenden Reform des Honorierungssystemes im Bereich der Frauenärzte, um die Kassenstellen wieder attraktiver werden zu lassen. Die Frauen zeigen es klar vor: Zeit ist ein wesentlicher Faktor, und den gibt es beim Wahlarzt. Im übrigen ist gerade der in den Medien publik gemachte Bezirk Murtal keinesfalls medizinische Unterversorgt. Die Politik muss auch zur Kenntnis nehmen, dass Wahlärzte einen beachtlichen Teil der Versorgung der PatientInnen übernehmen.

Impfen ist eine sehr komplexe Angelegenheit, warnt Ärztekammer Stmk Vizepräsident Prof Dr Dietmar Bayer.  Auch, wenn es für den Laien so aussieht als würde nur ein Loch in die Haut gestochen werden und ein Serum darunter appliziert werden, es ist und bleibt eine ärztliche Leistung. Das Impfmanagement wie auch die Prüfung der Impftauglichkeit sind ureigenste ärztliche Agenden. Niemand würde ernsthaft sein Auto an der Tankstelle reparieren lassen. Wir Ärzte beraten Sie gerne bei Ihren Fragen zu Impfungen und zum Impfen generell. Näheres dazu unter: ==> Ärztekammer warnt vor staatlicher „Fließband-Impfung“ und „Instant-Impfungen“ in Apotheken

Die IGNÄ trauert um einen großen steirischen Arzt, Mentor und Freund. MR Dr. Jörg Pruckner war zeit seines Lebens ein verdienstvoller Standespolitiker für die Anliegen der Ärzteschaft. Bis 2007 war er erster steirischer Kurienobmann sowie zwei Funktionsperioden Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärztinnen nach der Kammerreform und langjähriger Gründungsobmann und Ehrenpräsident der WAVM.

Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt der Familie.
Dr. Alexander Moussa und Prof. Dr. Dietmar Bayer für die IGNÄ

(Foto: © Schiffer)

In einer Analyse zum Gesundheitssystem schreibt Redakteur Didi Hubmann, ein ausgewiesener Insider und medizin-journalistischer Fachexperten in der Kleinen Zeitung vom 15.02.19 von einer Idee, dass Wahlärzte verpflichtet werden müssten, am öffentlichen Gesundheitswesen im Dienste der Allgemeinheit tätig zu sein. Wer das nicht wolle, solle sich freikaufen können. Das Geld solle dann der Allgemeinheit zugesprochen werden, so ungefähr der Text. Alleine, dass man solche Gedanken denkt, zeigt wie falsch unser Gesundheitssystem eingeschätzt wird und welch krause Ideen Platz greifen können. Man kann den Ärztemangel, welcher letztlich das Endprodukt einer seit Jahrzehnten fehlgeleiteten, gesundheitspolitisch zu verantwortenden Versorgungsplanung ist nicht nun jenen verantwortlich zuschieben, welche die letzten zwei Jahrzehnte durch ihren versorgungswirksamen Einsatz das marode System vor dem Kollabieren bewahrt haben.  Die Interessensgemeinschaft Niedergelassene Ärzte steht für die Einheit des Standes und läßt nicht zu, dass hier auf dem Rücken der Ärzteschaft versucht wird, politisches Kleingeld zu wechseln. Daher hat der stv Vorsitzende der IGNÄ und prominenter Wahlarztvertreter der Kleinen Zeitung einen Leserbrief geschrieben, den wir hier posten wollen:

“Ich bin aus einem ganz einfachen Grund Wahlarzt: Weil ich meinen Patientinnen und Patienten helfen will, ohne bei jeder einzelnen ärztlichen Handlung daran denken zu müssen, ob das System sich die ärztliche Hilfe für die Menschen in diesem Land leisten will.

Wenn ich in dieser ausgezeichneten Analyse jetzt lesen muss, dass genau dieses System daran denkt, nun auch die Wahlärztinnen und Wahlärzte mit Strafzahlungen unter Druck zu setzen, läuten alle Alarmglocken. Denn die Zeche werden die Patientinnen und Patienten bezahlen, noch mehr Ärztinnen und Ärzte werden aus dem System flüchten – und zwar in Länder in denen es weniger Druck gibt. Wenn die Politik und die Gesundheitsplaner das wollen, werden sie überhaupt keine Ärztinnen und Ärzte mehr vorfinden, sondern nur mehr Schilder, mit dem Satz, den vor einigen Jahren ein politisch denkender Arzt geprägt hat: „Dann behandelt euch halt selbst.“ Ich will das nicht. Meine Patientinnen und Patienten fürchten diese Entwicklung. Eine Politik, die das betreibt, ist ganz weit weg von den Menschen, sie ist letztlich gelinde gesagt verschroben.

Dr. Dietmar Bayer

Arzt für Allgemeinmedizin und

Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Leibnitz”

Hier der Link zum Artikel: https://tinyurl.com/y3smov4h

Die IGNÄ ist seit einem Jahr Teil der Kurienführung und konnte bereits deutliche Zeichen setzen. Ein ganz wesentliches Anliegen war uns, dass wieder ein herzeigbarer Kassenabschluss zustande kommt. Der Kurienführung unter Kurienobmann Dr. Norbert Meindl gelang, nach vielen Jahren der Stagnagtion – Stichwort Honorarautomatik – für 2018 ein herzeigbares Verhandlungsergebnis zu erreichen. Wesentliche Kernforderungen der IGNÄ konnten wir so zur Umsetzung bringen. Nachdem wir in der Steiermark gerade bei Allgemeinmedizinern, aber auch bei Kinderfachärzten und Gynäkologen große Probleme haben, Stellen zu besetzen, hat die die Kurienversammlung am 5.7.18 den dahingehend ausgerichteten Honorarabschluss für 2018 beschlossen.

Erhöhung der Honorare über alle Fachgruppen gerechnet rund +6,4%

Wir sehen im heurigen Kassenabschluss einen ersten Wegmarker für eine generelle Systemreform. Insbesondere verweisen wir auf unsere langjährige Forderung, Limite und Degressionen zu beseitigen. In einigen Ansätzen ist das dem Team der Kurienführung bereits bei den diesjährigen Kassenverhandlungen gelungen. Was unbedingt erwähnenswert ist: Wir haben es gemeinsam geschafft, dass nun nicht mehr im Folgejahr das Honorar für das vergangene Jahr verhandelt wird, sondern es wird nunmehr der aktuelle Abschluss verhandelt. Insgesamt waren die Verhandlungen von einem gegenseitig sehr wertschätzenden Miteinander geprägt. Mit dem neuen Kassenobmann Ing. Harb hat die steirische GKK einen harten aber fairen Verhandlungspartner an der Spitze.

Stärkung der kassenärztlichen Gesundheitsversorung

Zusammen mit dem oben angeführten Honrarergebnis sowie der Sicherung des Fördermanagements bei Lehrpraxen, Jobsharingprojekten in Pilotregionen und vor allem der Freiwilligkeit in dem nunmehr am 1.4.19 vom Land organisierten Bereitschaftsdienst ist uns gelungen, ein sehr attraktives Gesamtpaket für die steirische Ärzteschaft zu schnüren.
Bitte beachten Sie die offizielle Kammeraussendung mit allen Details zum Kassenabschluss oder wenden Sie sich mit kollegialen Fragestellungen gerne auch an das serviceorientierte Team der IGNÄ!
Wir wünschen Ihnen insbesondere unter dem Eindruck des guten Kassenabschlusses in der Steiermark erholsame Wochen, bleiben sie uns gewogen.

Im Namen der IGNÄ laden wir Sie herzlich ein, uns weiter auf unserem Weg einer serviceorientierten, transparenten und professionellen Standesvertretung zu begleiten!

Alexander Moussa und Dietmar Bayer für den Vorstand der IGNÄ

 

 

Nachdem es uns federführend gelungen ist, auch für Wahlärzte die Förderung für e-medikation erreichen, sind wir nun dabei, für Wahlärzte ebenfalls die monatlichen e-medikations Servicekosten(20.-) über den jüngst vom Vorstand der steirischen Ärztekammer bestellten stv. steirischen Wahlarztreferenten und Telemedizinreferenten der ÖÄK, Dr.Bayer (IGNÄ) zu sichern. Derzeit laufen noch die Verhandlungen, wir werden sie rechtzeitig über Neuerungen diesbezüglich informieren.

Während in Deutschland schon seit Jahren telemedizinische Leistungen nach erfolgreicher positiver Evaluierung in die Regelfinanzierung übergeführt werden standen wir in Österreich mit unserer diesbezüglichen Forderung lange vor verschlossenen Türen. Nun gelang es, mit einem von der IGNÄ entwickelten Modell der e-Leistungen erstmals bei einer Verhandlung mit dem Hauptverband den Fuß in die Tür zu stellen. Der Schlüssel dazu war die ELGA Verordnungsnovelle. Gespräche mit dem Ministerium haben eine gute Wende genommen. Wir konnten für alle Ärzte, also auch interessierte Wahlärzte eine einmalige Förderung für die Installation des e-Medikationstools in der Höhe von 1314.- ausverhandeln. Zusätzlich auch 20.- für die laufenden Wartungskosten. Eine Einbeziehung der Wahlärzte in  die laufende Finanzierung wird gerade auf Initiative des ÖÄK EDV Telemedizinreferenten Dr. Bayer (IGNÄ) mit den Versicherungsträgern intensiv verhandelt. Wir sind als IGNÄ zuversichtlich, dass wir auch hier die Interessen der Wahlärzteschaft erfolgreich durchsetzen können. Beachten sie nun bitte die weiteren Aussendungen der Ärztekammer bzw SVC/Hauptverband/GKK. Das Rollout für die Steiermark wurde mit den Arztsoftwareherstellern minutiös geplant, wir ersuchen aber dennoch schon um Kontaktaufnahme mit ihrem Softwarelieferanten zur Vereinbarung eines Installationstermines. Die Ausbezahlung der Förderungen erfolgt nach erfolgreicher Installation unbürokratisch auf Ihr Ordinations-Konto.

Am 14.12. 16 findet in den steirischen Ordinationen ein Aktionstag statt, um gemeinsam mit der Bevölkerung die Politiker im Nationalrat wach zu rütteln. Hier die Hintergründe in einer kleinen Punktuation:

1. Weil der Gesundheitsversorgung noch mehr Geld weggenommen werden soll, obwohl entgegen aller politischen Behauptungen die öffentlichen Gesundheitskosten gemessen am Bruttoinlandsprodukt schon in den letzten Jahren gesunken sind.
2. Weil Gesundheitszentren in der Hand der Krankenkassen oder großer Konzerne gesetzlich möglich gemacht werden sollen, nicht als Ergänzung sondern statt der haus- und fachärztlichen Versorgung. Das Hausarztsystem ist bedroht, von der seit Jahren versprochenen Stärkung ist keine Rede.
3. Facharztpraxen können mittelfristig in den Spitälern verschwinden statt diese zu entlasten.
4. Dass Patienten nach einem Wahlarztbesuch in Zukunft eine Rückerstattung von der Krankenkasse bekommen, ist nicht mehr gesichert.
5. Eine Anhebung der eben erst auf ein vernünftiges Maß reduzierten Wochenarbeitszeiten für Spitalsärztinnen und Spitalsärzte wird politisch ganz offen diskutiert

Es soll also durch die am 14.12.16 im Parlament ablaufende Beschlussfassung zur 15a Gesundheitsreform zu einer deutlichen Verschlechterung der zukünftigen Gesundheitsversorgung kommen, wenn der Gesetzgeber nicht umdenkt und einlenkt.

Die Gesundheitspolitik will der Bevölkerung nun mit hohem Aufwand darlegen, dass weniger doch mehr sei. Ein vorweihnachtliches Zauberkunststück? Leider nein, es ist bitterer Ernst. Mit allerlei Rechentricks und neuen, schönen Worten redet man der statistischen Rationierung den Weg. Kostendämpfung bei den Gesundheitsausgaben heisst: Weniger Ausgeben für die Versorgung als in den vergangenen Jahren gemessen am BIP. Primärversorgungszentren sollen suggerieren, dass eine bessere Primärversorgung stattfindet. Wir Ärzte wissen: Die beste ärztliche Primärversorgung erfolgt durch den Hausarzt vor Ort und beim Hausbesuch. Jeder Patient hat seinen Hausarzt. Im Primärversorgungszentrum ist nicht einmal klar ob jeder Patient zu einem Arzt kommt oder nicht schon durch ein Triagesystem zu einem anderen Gesundheitsprofessionisten umgeleitet wird. Das Hausarztprinzip hat die Politik gleich mitbegraben, denn im Primärversorgungszentrum kommt man nicht zum selben Arzt, sondern wie im Spital immer zu einem anderen Arzt. Für unsere jungen Kolleginnen bedeutet das keinewegs, im Team zu arbeiten, denn jeder hat seine Koje, sein Behandlungszimmer; die Ärzte werden sequentiell und nicht parallel arbeiten, wie man den Jungen Kollegen gerne seitens der Politik glauben machen will.

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Wir Ärzte werden von den Schreiberlingen in den ministeriellen Tintenburgen als Gesundheitsversorger bezeichnet, um uns das iatrogene Element zu nehmen. Der Hausarzt wird zum Grundversorger, der Facharzt zu Fachversorger. Anonymität wohin man schaut. Das ist das neue Gesundheitssystem für alle.

Zuerst hat man die Polizeistationen und die Postämter geschlossen, die Bezirksgerichte zusammengelegt und nun kommen die Hausärzte dran, bald danach die Fachärzte. Das geht ganz einfach. Kassenstellen von in Pension gehenden Ärzten werden eingezogen und die hausärztiche, wohnortnahe Versorgung wird ausgedünnt, stattdessen anonyme Staatsmedizin durch Primärversorgungseinheiten.

Am Beispiel Mariazell kann man es sehen, live miterleben, in vivo sozusagen, wie das Gesundheitssystem umgebaut wird: Zuerst wird das lokale Spital geschlossen. Die Ambulanz wird dann als Primärversorgzungszentrum “nachgenutzt” und den Ärzten vor Ort als Konkurrenz vor die Tür gesetzt. Im Primärversorgungszentrum werden die ÄrztInnen und Ärzte nämlich neben Kassenleistungen auch ausservertragliche Leistungen wie Akupunktur oder Psychotherapie zum Beispiel anbieten dürfen und gegen Barzahlung verrechnen, wie in Mariazell. Alles das, was einem Kassenarzt ja unter Androhung einer Vertragskündigung verboten ist. Ist das PHC einmal installiert und den etablierten Hausärzten vor die Tür gesetzt passieren eigenartige Effekte: In Mariazell gab es bisher ein von unseren Niedergelassenen Kollegen aufrecht erhaltenes Nachtdienstradl. Bis jetzt. Mittlerweile haben diese Kollegen unter den gegebenen Umständen und gut nachvollziehbar das Nachtdienstradl aufgegeben und wer macht´s jetzt? Nein, nicht das Primärversorgunsgzentrum mit seinen Grundversorgern, sondern der Notarzt fahrt jetzt zum Hausbesuch aus… in Vivo….

So kann man funktionierende Strukturen zerschlagen.

Der nächste Plan ist schon aus den ministeriellen Schubladen gekrochen. Es wird Facharztzentren geben, analog zu den Primärversorgungszentren. Staatlich geplant und verordnet, nicht gewachsen, wie Styriamed.net zum Beispiel. Unsere Argumente werden nicht gehört, das Gesundheitssystem wird an die Wand gefahren, dem Gesundheitswesen wird die Seele entnommen. Der Patient wird der Leidtragende sein.

Die Ärzte machen am 14.12. einen Aktionstag, um ihre Patienten über die drohenden Veränderungen aufmerksam zu machen. Der 14.12. ist nicht zufällig gewählt; es ist der Tag, an dem dieses Gesetz mit der sogenannten §15a Vereinbarung im Parlament beschlossen wird. Wir halten das für einen schweren Fehler der Politik und werden das Abstimmungsverhalten im Parlament genau beobachten. Vielleicht besinnt man sich doch noch und hört auf die Ärzteschaft: Funktionierende Strukturen im Gesundheitswesen endlich auszubauen und nicht Staatsmedizin durch die Hintertür zu etablieren.